Achtsamkeit 4.0 Teil 5 – Wege zur Achtsamkeit (Omline statt Online)

Im übersteigerten Umgang mit den elektronischen Medien verlieren wir unsere sinnlichen Fähigkeiten im Kontakt mit der Natur: Wir betrachten diese gleichsam wie einen Film.

Manfred Poisel

Alles hat seine Zeit

Nur Sklaven müssen immer erreichbar sein – versklaven wir uns selbst?

Ich mag den Modebegriff Digital Detox nicht. Es beinhaltet, das wir uns von einem Gift befreien müssen. Trotz aller kritischen Skepsis gegenüber dem Umgang mit den neuen Medien, sehe ich auch viele Chancen und nutze die neuen Möglichkeiten sehr gerne. Ich tendiere eher dazu, einen digitalen Minimalismus zu üben. Also immer mit der Fragestellung im Hinterkopf: Was brauche ich wirklich? Was ist Ballast? Womit betäube ich eine innere Leere?

Sich selbst nicht zu spüren, das Gefühl getrieben zu sein, hat oft eine Einfache Ursache: Wir versuchen zu viele Dinge auf einmal zu erledigen. Auch wenn viele Menschen es behaupten, unser Gehirn ist nicht in der Lage komplexe Abläufe per Multitasking zu erledigen.

Deswegen gilt die einfache und uralte Regel der Achtsamkeit: „Wenn ich esse: esse ich. Wenn ich Gehe: gehe ich. Wenn ich Autofahre: fahre ich Auto. Wenn ich fotografiere: fotografiere ich. Wenn ich auf Facebook bin, facebooke ich.“

Konzentrieren Sie sich immer wieder bewusst auf die Tätigkeit, die Sie gerade tun. Es wird nicht immer klappen, aber hier gilt die Regel, wie sie bei der Meditation gilt, wenn Sie die Ablenkung bemerken, dann kommen sie mit einem freundlichen, inneren Lächeln wieder zu ihrer eigentlichen Tätigkeit zurück.

Hilfmittel

Bedienungsanleitung: Dies ist ein kleines Buffet verschiedener Möglichkeiten für den bewussten und achtsamen Umgang im Netz. Wie im wirklichen Leben darf sich hier jeder aussuchen, was dem eigenen Geschmack trifft. Alles auf einmal wird zu viel sein, aber wenn die eine Option funktioniert, warum nicht zum Buffet zurückkehren und einen kleinen Nachschlag nehmen.

Beobachten Sie sich bei jeder Maßnahme: Wie fühle ich mich dabei? Was tut mir dabei gut? Was vermisse ich? Stellen Sie sich auch immer die Frage: Was könnte der Grund für meine Einschätzung sein?

Einfach aber effektiv: Ausschalten!

Beispielsweise:

  • Bei der Begegnung mit Freunden
  • Beim Essen
  • Vor dem Autofahren
  • Abends vor dem Abendessen ausschalten erst nach dem Frühstück wieder einschalten. (Offline starten! Keine Mail im Bett – kein Facebook auf dem Klo – Smartphone bleibt aus!)
  • Während der Arbeitszeit ausschalten – erst nach dem Mittagessen wieder für 5 Minuten einschalten, dann bis zum Feierabend wieder aus.
  • Firmenhandy am Freitag ausschalten (außer Einsatz ist geplant) und erst Montagmorgen wieder einschalten.

Nebeneffekt des Ausschaltens: Akku hält wesentlich länger. Der Datenschatten (wann bin ich wo) wird kleiner.

Bewusste Onlinezeiten für Soziale Medien

Beispielsweise:

  • z.B. ein oder zwei festgelegte 30 Minuten am Tag. Zeit verpasst, weil etwas Anderes anstand? Dann erst wieder zur nächsten festgelegten Stunde nachholen.
  • Soziale Medien nur daheim am PC/Notebook – nicht unterwegs oder im Büro auf dem Smartphone
  • Nur eine Akkuladung am Tag. Geladen wird über Nacht und nicht mehr zwischendurch.

Wecker statt Smartphone: Verbannen Sie Ihr Smartphone aus dem Schlafzimmer, exhumieren Sie einen Wecker!

Socialmedia-Fasten: Über mehrere Wochen bestimmte soziale Medien nicht mehr besuchen. Tipp: Das Passwort mit einer willkürlichen Zeichenfolge ändern, die man sich nicht merken kann. Am Ende der Fastenzeit durch „Passwort zurücksetzen“ wieder neu setzen. Dazu die Offlinezeit offiziell bekanntgegeben um nicht in Versuchung zu geraden das Fasten zu brechen. Dabei in sich hinein hören: Wie geht es mir dabei? Was vermisse ich? Was hat mir nicht gefehlt?

Erst denken dann posten: Vor jedem Posting überlegen: Was will ich mit dem Post erreichen? Nicht spontan aus dem Bauch heraus – vor allem, wenn man emotional aufgewühlt ist.

Kontakte pflegen: Sich von Menschen, Seiten und Gruppen „Entfreunden“, die einem nicht guttun. Alternativ „Username nicht mehr abonnieren“ – In Extremfällen die betreffende Person blockieren.

Bei Kontaktanfragen überlegen, ob ich den Kontakt wirklich will. Aber auch selbst nicht einfach eine Kontaktanfrage senden ohne zu wissen, was ich mit dem Kontakt erreichen will.

Neugierde stoppen:

Beispielsweise:

  • Nachrichtenportale durch Newsletter ersetzen (Was verpassen wir, wenn wir erst am Abend erfahren, was in der Welt passiert ist und nicht sofort jedem Gerücht folgen?)
  • Anstatt einer Nachrichten- oder Socialmedia-Seite eine leere Seite im Browser als Startseite einrichten.

Ablenkung abschalten: Benachrichtigungen auf dem Display bei Bildschirmsperre ausschalten. und Pushnachrichten ausschalten. Das gilt auch für die Benachrichtigungs-LED

Bewusst fotografieren: Anstatt dem Smartphone eine separate Kamera benutzen. Sie ist schwer – umso besser? Dann nimmt man sie nur mit wenn man bewusst fotografieren will. Dafür wird die Bildqualität besser.

Direkte Kommunikation: Warum in 5 Minuten in einem persönlichen Gespräch klären, wenn man das prima per Whatsapp oder Mail auf mehrere Stunden voller Missverständnisse verlängern kann?

Direkten Zugriff erschweren: Zeitfresser-Apps wie Facebook, Onlinemedien, WhatsApp usw. auf den hinteren Bildschirm des Smartphones verschieben.

Apps ersetzen: Facebook, Instagram, Onlinemedien, YouTube usw. über den Browser in der mobilen Version aufrufen und die Apps deinstallieren oder deaktivieren.  Nebeneffekt:  der Hintergrund-Datenverkehr wird weniger und der Akku hält länger. Weniger persönliche Daten wie Standortinformationen usw. werden preisgegeben.

Sich auf einen Nachrichtenstrom konzentrieren: Auf dem PC/auf dem Laptop in einem Browser nur ein Tab öffnen um nicht laufend zwischen mehreren Tabs hin und her zu springen, sondern sich auf einen Nachrichtenstrom konzentrieren.

Maileingang aufräumen: Newsletter, die nicht mehr interessant sind, abbestellen.

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