40 Tage ohne

Auch wenn ich inzwischen nicht mehr religiös bin, so finde ich den einen oder anderen Brauch kirchlichen Ursprungs sehr nett, so dass ich sie auch in mein Heidenleben übernommen habe. So finde ich es z.B. sozial sehr ansprechend, dass man sich einen Tag im Jahr auf seine Lieben konzentriert und sich bei einer gemeinsamen Zusammenkunft, bei Speis und Trank kleine Geschenke zukommen lässt.

Als ebenfalls eine gute Einrichtung finde ich es, sich eine Zeitspanne zu gönnen, auf der man bewusst auf etwas verzichtet. Die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern ist da hervorragend geeignet. Es ist nicht zu lange, als das der Verzicht auf etwas zur unabsehbaren Qual wird, aber sie ist lange genug, dass man in der Zeit reflektieren kann, was man durch den Verzicht auf gewisse Angewohnheiten gewinnt.

Ja: Man kann durch Verzicht gewinnen. Erstmals ist mir dies bewusst geworden, als ich vor gut 18 Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe. Die Versuche vorher waren immer eine Qual, denn ich habe etwas verloren. Durch das Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr hatte ich einen neuen Denkansatz: Ich verliere nicht die Zigarette, sondern ich gewinne jeden Tag neu Lebensqualität unterteilt in kleine Abschnitte. Der erste Tag an dem ich wieder die Natur riechen kann, der erste Tag an dem ich morgens keinen gelben Schlein mehr ins Waschbecken huste, der erste Tag an dem das Essen wieder intensiver schmeckt, der erste Tag an dem ich ohne Suchtdruck durcharbeiten kann usw.

Ein ähnliches Experiment hatte ich schon vor 2 Jahren mit Facebook gemacht, als ich durch die Hasswelle in Facebook gegen Geflüchtete merkte, diese ständige Nachrichtenflut in Facebook seelisch nicht gut tut. Hier nutzte ich die christliche Fastenzeit um 40 Tage ohne Facebook zu leben. Diese Zeit tat mir damals sehr gut, denn mit etwas Abstand konnte ich neue Strategien gegen die negativen Gefühle entwickeln.

Auch dieses Jahr werde ich wieder 40 Tage ohne Facebook sein. Diesmal nicht, weil es in mir negative Emotionen weckt, sondern weil ich mir in der letzten Zeit immer bewusster wurde, dass ich immer wieder zum Smartphone griff um zu sehen, was es neues gibt. (Und wer viel in Facebook unterwegs ist, der weiß, soviel neues kommt gar nicht mehr, wenn man die vielen mehrmals geteilten Posts mit gefundenen Inhalt mal abzieht.) Durch das Buch Mail halten“ von Anitra Eggler wurde mir bewusst, wie viel Lebenszeit ich mich aktiver Nichtbeschäftigung im Netz verbringe, die mir keine große Lebensqualität bringt. Wer das mal für sich kontrollieren möchte kann ja mal selbst mit dem Lebenszeitrechner nachrechnen. 🙂

Wie werde ich es machen: Da ich Admin von zwei Seiten und einigen Gruppen bin, kann ich mich nicht einfach abmelden. Also ändere ich mein Facebookpasswort in einen willkürlichen Wert, den ich mir nur für kurze Zeit merken kann,. Die Facebook-App auf dem Handy wird deinstalliert und der Messenger, den ich als Kontakt zur Facebook-Außenwelt weiterhin aktiv lasse, wird mit dem neuen Passwort auf dem Telefon versehen. Dann heißt es bis Ostern: Vorbei mit der dauernden Neugierde bis ich dann Ostersonntag durch die Passwort-Zurücksetzen-Funktion wieder in Marc-Zuckerbergs blaue Welt eintauche.

Ziel der diesjährigen Fastenaktion ist es für mich, dass ich die Zeit ohne Facebook (und ohne Ersatz-Sozialen-Medium 🙂 ) nutze um in mich zu hören und längst vergessene Alternativen wieder zu beleben. Gleichzeitig will ich in mich hören, wo die Ecken sind, in der die sozialen Netzwerke mir einen Gewinn bringen, den ich behalten will.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

Und für alle denen 40 Tage zu lange sind, hier noch ein kleines Geschenk: 2 Minuten Ruhe

 

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